Das Highland Pony

Geachtet, geschätzt und fast vergessen

von Hans-Jürgen Philipp

Die Geschichte des Highland Ponys ist gleichzeitig auch die Geschichte Schottlands.

 

Beginnend mit seinen primitiven Ursprüngen in der Eiszeit bis zu seiner Entwicklung zu einem entscheidenden Faktor im sozialen und ökonomischen Leben der Menschen in diesem abgelegenen Land. Es ist eine Geschichte totaler Begeisterung für eine Pferderasse von der nicht Wenige sagen, daß sie der Inbegriff an Kraft, Eleganz, natürlicher Intelligenz und natürlicher Schönheit ist.

 

Eine Pferderasse als optimales Ergebnis qualifizierten züchterischen Bestrebens ein " Nutztier" mit liebenswertem Charakter als Partner des Menschen zu schaffen. Ein Wesen mit beeindruckender Leistungsbereitschaft und Ausdauer, daß in Vollendung an seine Umgebung angepaßt, und in dieser rauhen, nicht selten sogar feindselig Landschaft, in Harmonie mit eben diesen Bedingungen zu leben imstande ist.

 

Das Pferd des schottischen Hochlands und der schottischen Inseln ist ebenfalls ein Teil der sozialen Entwicklung Schottlands, die deutlich macht wie ein Tiere unlösbar und ungewöhnlich eng mit der Entwicklung des schottischen Menschen, seiner Kultur und seinen Lebensgewohnheiten verknüpft sein kann.

 

Sowohl während Friedenszeiten als auch während der häufigen Kriege war das Highland Pony nicht selten die wichtigste Grundlage für das Überleben der Clans und seinen Familien im Hochland. Schottland wäre ohne diese kleinen Pferde und seinen besonderen Fähigkeiten nicht das was es heute ist.

 

Das Highland Pony wurde zu allen Zeiten im gesamten Spektrum seiner geistigen und körperlichen Möglichkeiten genutzt und gilt auch heute noch als stärkste und vielseitigste von rund einem Dutzend nativen, britischen Ponyrassen.

 

Zu allen Zeiten wurde dieses Pony von Bauern, Bürgern und dem Adel im gleichen Masse als geeignetstes Pferd für diese Region genutzt und war sogar das Pferd berühmter Elite-Kavellerieregimenter, die sich zum Teil noch heute zur Erinnerung an diese meist grauen Highland Ponywallache mit Stolz die "GREYS" nennen.

 

Natürlich wird das Highland Pony auch in der schottischen Geschichte mit seinen immerwährenden Schlachten und Händeln gegen England genannt. Diese anspruchslosen und beweglichen Reittiere der schottischen Clansmen waren sehr häufig der wichtigste Sieges-Faktor gegen die schwergepanzerte und dadurch unbewegliche englische Reiterei. Nicht wenige dieser schwergepanzerten englischen Ritter werden im Kamp gegen die Schotten durch die Sehschlitze ihrer heruntergelassenen Visiere als Allerletztes in ihrem Leben einen tartangewandeten Clansman, den Dagger (Langdolch) in der Linken, das berühmte Claymore (Breitschwert bis zu 2 m Länge) in der Rechten auf einem herangaloppierenden Highland Pony gesehen haben.

 

Letztendlich trugen diese Kampferfolge mit diesen anspruchslosen, harten und beweglichen Ponys in England dazu bei, daß die immer schwerer armierten und dadurch unbeweglich gewordenen Ritter des späten Mittelalters in Frage gestellt wurden und schließlich verschwanden.

 

In der nordischen Mythologie reitet Gott ODIN ein graues Pferd namens SLEIPNIR, das in der Lage war sich über Wasser und Land zu bewegen. Nicht unwahrscheinlich, daß diese bildhafte Beschreibung eines Pferdes das Verständnis der Nordmänner von einem partnerschaftlichen allround Pferd beschreibt wie es die Krieger von Olaf Blauzahn bei ihren häufigen "Besuchen" Schottlands, beginnend um das Jahr 800 nach Christus, bei den Picten und Scoten vorfanden.

 

Ziemlich sicher ist das heutige Highland Pony eine Kombination des sehr ursprünglichen NORDISCHEN Pferdes mit dem Pferd das die Kelten in das schottische Hochland mitbrachten. Sicher ist auch, das dieser Pferdetyp sich in Schottland bereits viel früher ausgeformt hatte. – Sehr frühe Steinreliefs der Picten, den Ureinwohnern Schottlands, zeigen bereits einen einheitlichen Pferdetyp in allen Details in einer Größe um 140 cm Schulterhöhe mit vielen Merkmalen, die auch ein Highland Pony im Jahr 2000 zeigt. Aus dieser Zeit existiert ein Relief, daß eine Lady bei der Jagd im Seitensattel reitend zeigt. Eine der frühesten Darstellungen eines Seitensattels und gleichzeitig ein Beweis der bereits hohen Reitkultur dieser frühen Jahre.

 

Berichtet wird, daß Südschotten und Robert the Bruce (Der König aus dem Film BRAVEHEART) im frühen 13.Jahrhundert auf Pferden dieses Typ ritten.

 

Es gibt ebenfalls in Schottland Nachweise von Pferden die 3000 Jahre alt sind.

 

Bei aller Vorsicht hätte man doch das Recht zu sagen, daß das Highland Pony auf eine sehr alte Abstammungsgeschichte zurückblicken kann.

 

Es wird von Überlieferungen erzählt, die berichten, daß die Besiedlung ISLANDS auch von den Inseln der schottischen Westküste aus erfolgte und auch, daß diese Siedler Pferde mitnehmen mußten, da Island kein natives Pferdevorkommen hatte. Der Typ des schottischen Highland Ponys kann also nicht nur im Falle des Island Pferdes auf Grund seiner langen Geschichte als Ahn vieler europäischen Pferderassen angesehen werden.

 

Noch anfangs unseres Jahrhunderts galt das Highland Pony als das am besten töltende Pferd der Region. Leider spielen Gangpferde auf unserer Nachbarinsel im Moment keine Rolle mehr und so werden speziell die Gangpotentiale einer Rasse weder gefördert, häufig nicht einmal wahrgenommen und im schlimmsten Falle "abtrainiert". Aktuell ist mir kein gesichert töltendes Highland Pony bekannt. Da jedoch auch Highland Ponys, wie allgemein üblich in Großbritannien, nicht nach STANDARDS im Sinne deutscher Rassezucht, gezüchtet werden, sondern vielmehr nach BLUTLINIEN und TYPEN, ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß auch diese genetische Veranlagung zu besonderen Gängen noch irgendwo schlummert.

 

Eine kurze Anmerkung zum Thema Blutlinien und Typen:

 

Es gibt also für das Highland Pony nichts was für einem Standard im deutschen Sinn gleichkommt. Im Prinzip kann jeder vielmehr den Typ Pony finden, den er sucht. Was natürlich durchaus nicht bedeutet, daß eine keine gemeingültigen Rasse-Charakteristika gibt... Es bedeutet nicht mehr und nicht weniger als:

Diese Rasse wird nicht nur mit dem Maßband gezüchtet. Ein anderer Weg als bei uns aber durchaus nicht weniger erfolgreich. Mit dem besonderen Charme der nahezu unendlichen Vielfalt.

 

Immer wieder wird in "klugen" Bücher etwas vom WESTERN ISLE TYP und vom MAINLAND TYP geschrieben, wobei Letzterer häufig GARRON genannt wird.

 

Es gibt diese Typenunterscheidungen beim Mutterstutbuch nicht! Eigentlich hat es sie nie wirklich gegeben. Es hat immer große und kleine Ponys gegeben. Es war die ROYAL HIGHLAND SHOW SOCIETY in Edinburgh, die vor rund hundert Jahren der fairnesshalber und ausschließlich für Show– und Wettbewerbszwecke zwei Größen-Klassen definiert hat:

 

Ponys kleiner als 14 Hands und Ponys über 14 Hands bis zu max. 14,2 Hands. Hands ist eine heute noch übliche, alte Größenbezeichnung von Pferden.

 

1 Hand hat 4 inches = 4 x 2,54 cm = 10,16 cm.

(14,2 Hands = 14 Hands und 2 inches = 58 inches x 2,54 = 147,32 cm)

 

Die Bezeichnung GARRON kommt aus dem Gälischen und bedeutet im Übrigen nichts weiter als: WALLACH

 

Insgesamt ist das Highland Pony vom Typ her ein Barockpferd.

 

Stuten mit einem nicht zu langen Rechteckrahmen. Hengste eher quadratisch. Niemals steht dieses Pony "hoch" über dem Boden. Es hat eine sehr tiefe und breite Brust mit viel Platz für Lunge und Herz und eine gute Gurtentiefe. Die Gelenke sollen flach und breit sein, alle Knochen stark von guter Substanz. Das Röhrbein ist kurz. Das Sprunggelenk dagegen nicht zu kurz. Die Schulter lang und gut gewinkelt. Die schwungvollen und freien Bewegungen der Vorderhand kommen aus Schulter und Oberarm. Die Hinterhand tritt weit unter und ist sehr gut gewinkelt. Die Hufe sind grundsätzlich dunkel, verhältnismäßig groß und von guter Härte.

 

Die Knieaktion ist von ökonomisch "mittlerer" Höhe. Das ganze Pony ist sehr gut bemuskelt. Mit besonderer Bemuskelung der Hinterhand. Der Rücken ist gerade und breit, mit gerade soviel Widerrist um einen Sattel nicht rutschen zu lassen. Gelegentliches Überbaut sein ist nicht fehlerhaft und nicht untypisch bei naturnahen Rassen. Der Schweif ist Lang und gut angesetzt. Nicht zu tief und nicht zu hoch. Häufig findet sich beim Highländer die Ponyglocke, die ihren Sinn in der englischen Bezeichnung "SNOWTUFF" besser findet und einen kurze "Überschweif" bezeichnet, der die kälteempfindlichen Geschlechtsteile zusätzlich vor Wärmeverlust schützt.

 

Der Hals ist gut proportioniert und nach oben gewölbt. Der Kopf ponyhaft kurz, mit kurzen Ohren, breiter, flacher Stirn, großen offenen, nach vorwärts–seitwärts gerichteten, klugen, dunklen Augen.

 

Das Highland Pony gehört zu einem nur gut einem Dutzend Pferderasse, die über ein überdurchschnittliches binokulares Sehen verfügen. Wie zum Beispiel auch das arabische Pferd. Besseres Sehen, heißt besseres Erkennen = selteneres Scheuen vor Unerkennbarem und damit nicht Identifizierbarem.

 

Der Gesamteindruck des Kopfes soll von wacher Intelligenz geprägt sein - und so sieht es nicht nur aus. Seine Lernfähigkeit und seine Lernwilligkeit verblüffen Pferdekenner immer wieder.

 

Alles Langhaar soll wirklich üppig und seidig sein. Niemals rauh und struppig. Die Stirnlocke ist selbst für Ponys sehr ausgeprägt: Das Haar soll sich beim Fressen im Regen und wegen der ungeheuren Mengen der Mücken im schottischen Hochland, wie ein Vorhang schützend um den Kopf lege und ungestörtes Fressen ermöglichen. Der Kötenbehang ist nur mäßig ausgeprägt. Einerseits üppig genug, um gegen Stöße an Felsen zu schützen, andererseits nicht so üppig, daß es zu Staunässe und Fäulnis im Hochmoor kommen könnte. Das Körperhaar soll sein wie das Haar des Dachses: Langes granniges Deckhaar, daß sich bei Kälte leicht aufrichtet, kurze, dichte Unterwolle. Damit werden Highland Ponys mit viel Regen deutlich besser fertig als z.B. das Islandpferd oder das Fjordpferd, die in ihrer Heimat mit großer Kälte, aber nicht mit viel Nässe rechnen müssen. Sehr häufig finden sich auch Ponys mit deutlich metallischem Glanz im Fell: Silber, Bronze, Gold, Kupfer!

 

Aus unerklärlichen Gründen gerieten schottische Highland Ponys auf dem Kontinent und selbst im Bewußtsein vieler Briten in Vergessenheit. Völlig zu Unrecht, denn gerade in dieser Rasse findet der Suchende noch all die hervorragenden Eigenschaften in nur einer Rasse, die in anderen Rassen längst verloren gegangen sind und die diesen Ponys einen zusätzlichen Charme verleihen. In der Abgeschiedenheit des schottischen Hochlands und seiner Täler, in dessen hohen Norden weder Kelten noch viel später Römer jemals vordringen konnten, hat sich ein Pferdecharakter erhalten können, frei von modischen und züchterischen Torheiten, der im gleichen Masse verblüffend und begehrenswert ist.

 

Ein sorgfältig geführtes Stutbuch über Highland Ponys existiert seit mehr als hundert Jahren und trotzdem gab es erst 1987 den ersten Import eines voll registrierten Tieres nach Deutschland. Einer Stute: Megan of Woodburn.

 

Ziemlich sicher gab es auch schon früher Importe von vermutlich unregistrierten Ponys. Diese Tiere sind verlorengegangen und können leider bei der sehr jungen Bewegung "HIGHLAND PONY ZUCHT" in Deutschland keine Rolle mehr spielen. Der erste Hengst wurde 1990 importiert. Ein spektakulärer Showchampion auf einer nahezu unendlichen Showerfolgsliste. Leider starb dieser Hengst nur drei Jahre später im Alter von 13 Jahren. Dieser Hengst brachte die Highland Pony Bewegung heftig ins Rollen. Im Jahr 2000 dürften ungefähr 250 Highland Ponys unsere Weiden bevölkern und die ersten in Deutschland gefohlten Tiere haben auch schon erwachsene Nachzucht.

 

Mit nur 350 Tieren ist unser Land doch das Land mit der drittgrößten Population weltweit. Nach Großbritannien und Frankreich. Weltweit dürfte der Gesamtbestand dieser Rasse rund 4000 Ponys betragen, wobei der Anteil von Wallachen, d.h. nicht mehr zuchtfähigen Tieren, fast die Hälfte des Bestandes ausmachen. Qua Definition keine "aussterbende" Rasse, doch muß diese Gefahr sehr wohl im Auge behalten werden. Das Highland Pony paßt hervorragend in das deutsche Klima und besonders für unsere bergigen Regionen dürfte es schwierig sein ein geeigneteres Pferd zu finden. Die Hinterhand dieser Ponys ist unvergleichlich ! Seine Befähigungen in trittschwierigen Geländestrukturen ist hervorragend. Gepaart mit großer natürlicher Intelligenz, Menschenbezogenheit, großer Gelassenheit, Härte, Ausdauer und verblüffender Leichtfuttrigkeit, machen dieses Pony zu einem idealen Partner für all die Bereiche wo reine Geschwindigkeit nicht das Wichtigste ist. Betrachtet man dann noch die Vielseitigkeit dieser Rasse, seine kompakte Barocke Schönheit mit phantastisch gebogenem Hals, üppigem Schweif und ungewöhnlich langer seidiger Mähne, fragt man sich einmal mehr wieso es nicht schon viel mehr dieser Ponys bei uns gibt.

 

Highland Ponys gibt es in allen Farben außer Schecken. Es sind keine sonstigen Abzeichen erlaubt außer einem Stern o.Ä. an der Stirn. Viele haben neben den erdigen Farben ihrer Heimat einen Aalstrich, ein Schulterkreuz und als Zeichen ihrer Ursprünglichkeit Zebrastreifen an den Beinen. Die Vielfalt aller Falbvariationen ist verblüffend. Im Gegenzug dazu gibt es (fast) keine Füchse. Die Fuchsfarbe gilt bei einigen Wissenschaftlern als Blutlinien-Zuchterscheinung und soll in der Natur nicht vorkommen.

 

Mit seiner wildtierähnlichen Haartextur ist es hervorragend gerüstet für alle Regionen und Jahreszeiten und damit auch für die "Offenstallhaltung". Fast alle Ponys haben eine Springbegabung und tun es auch gern, sind dressurgeeignet, gewinnen Distanzwettbewerbe, sind geachtete Fahrpferde, überragende Therapiepartner (vielleicht die geeignetste Rasse für diese Aufgabe), verrichten ihre Arbeit in Trekkingbetrieben, in der Landwirtschaft, im Forst usw. usw. usw.

 

Mit ihrem Größenspektrum von 132 cm bis zum Maß von 148 cm in Verbindung mit ihrem guten Gebäude und guter Bemuskelung, bieten sie sowohl engagierten Jugendlichen als auch schwergewichtigen Erwachsenen ideale Partner für alle Pferde-Nutzungsbereiche. Es dürfte weltweit nicht einfach sein ein Pferd vergleichbarer Größe zu finden, daß bei gleicher Haltung und Fütterung härter zu arbeiten in der Lage ist als ein Highland Pony. Slogan:

 

"Highland Ponies, the versatile breed"

 

Um einschätzen zu könne wieviel Masse ein Highland Pony hat : Stuten von ca. 142 cm haben ein Gewicht von 450 –500 Kg. Männliche Tiere sind noch schwerer. Es ist nicht schwer Ponys von 600Kg bei einer Größe von 148 cm zu finden. Zum Vergleich: Ein Islandpferd von mittlerer Größe hat ein ca. Gewicht von 350 Kg.

 

Einige schottische Highland–Pony–Züchter behaupten, ein typisches Pony hätte einen deutlich niedrigeren Ruhepuls als andere Pferde. Wissenschaftlich ist diese Eigenschaft nicht abgesichert. Ich denke, daß damit im übertragenen Sinne gemeint ist, Highland Ponys haben ein gelasseneres Temperament als andere Rassen. Tatsache ist, daß viele Ponys praktisch "scheufrei" sind. Ein nicht zu unterschätzender Sicherheitsfaktor.

 

Ihre ausgesprochen weichen Gänge verleihen ihnen zusätzliche Attraktivität und wer einmal auf solch einem Sofa geritten ist, wird zukünftig kaum mit weniger zufrieden sein.

 

Highland Ponys - keine Rasse für Jedermann aber eine Rasse für all jene, die eine enge partnerschaftliche Bindung mit viel Zuneigung für und von beiden Seiten wünschen und zu geben bereit sind.

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